HIER BLOGGT DIE JÜRS GMBH

Zwei Milliarden Euro für das „Deutschlandnetz“

Der Bund fördert 900 neue Standorte für Schnellladesäulen für Elektroautos abseits der Autobahnen

Wie kann sich die Attraktivität von Elektromobilität steigern, wenn es nicht genug Lademöglichkeiten gibt? Laut Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur gab es im Juli 2021 nur 1.700 Ladepunkte im Vergleich zu rund 14.000 Tankstellen in Deutschland. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wünscht sich Schnellladesäulen im Abstand von zehn Minuten.

Deutschlandnetz Ausbau von Schnellladesäulen
Deutschlandnetz Ausbau von Schnellladesäulen

Ein Förderprogramm soll kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) die Errichtung, die Unterhaltung und den Betrieb der HPC-Ladeinfrastruktur abseits der Autobahnen schmackhaft machen. Das dazu passende Ausschreibungsprogramm startete im September und nennt sich „Deutschlandnetz“. Es wird mit insgesamt rund zwei Milliarden Euro vom Bund gefördert. Dazu gehört noch eine zweite Ausschreibung, die Standorte an den Autobahnen betrifft. Insgesamt entstünden so rund 10.000 neue Schnellladepunkte.

Was ist das Förderprogramm „Deutschlandnetz“?

Mit dem Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“ werden 900 neue Standorte in Siedlungsgebieten für Schnellladesäulen mit mehreren Ladepunkten gefördert. Rund 200 Standorte sollen an den Autobahnen entstehen. Die Errichtung und der Betrieb werden in zwei getrennten Ausschreibungen mit Regionallosen und bundesweiten Losen vergeben. Kleine und mittelständische Unternehmen erhalten dafür Fördermittel vom Bund. Das Programm des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird koordiniert von der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur. Das Projekt für die Autobahnen soll von der Autobahn GmbH ausgeschrieben werden.

Wie kann man sich für das Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“ bewerben?

Die Bewerbung für die Regionallose der 900 Standorte abseits der Autobahnen erfolgt ausschließlich online über die e-Vergabe-Plattform des Bundes unter www.evergabe-online.de. Es handelt sich um eine Vergabe als Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb in zwei Stufen. Im Teilnahmeantrag ist eine Eignung und ein Leistungskonzept nachzuweisen. Es sind Kriterien sowohl zum Standort als auch zum Design zu erfüllen. Die zehn Bewerber mit den meisten Punkten pro Los bleiben im Rennen für das weitere Verfahren. Sie werden aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Bei gleicher Punktzahl ist die Anzahl bereits öffentlicher Ladepunkte entscheidend.

Wer kann sich für das Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“ bewerben?

Das Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“ abseits der Autobahnen richtet sich an regionale Betreiberfirmen sowie kleine und mittelständische Unternehmen. Entlang der Autobahnen werden insbesondere Unternehmen angesprochen, die deutschland- und europaweit tätig sind.

Voraussetzungen für das Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“
Voraussetzungen für das Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“

Welche Voraussetzungen muss ein Bewerber für das Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“ mitbringen?

Es wird geprüft, ob der Betreiber eine ausreichende Qualifikation nachweisen kann. Hierbei werden Punkte vergeben, um die Bewerber miteinander zu vergleichen. Bei den Wertungskriterien geht es um bereits öffentlich zugängliche Ladepunkte und deren Ladeleistung. Schnellladehubs werden zusätzlich bewertet. Die Ladestandorte müssen innerhalb der letzten drei Jahre für mindestens 6 Monate betrieben worden sein.

Wo kann man sich für das Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“ bewerben?

Die Bewerbung für die Regionallose ist auf der e-Vergabe-Plattform des Bundes unter www.evergabe-online.de möglich. Das Verfahren läuft voll elektronisch, der Postweg entfällt.

Bis wann kann man sich für das Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“ bewerben?

Teilnahmeanträge für die Regionallose abseits der Autobahnen können bis zum 10. November 2021 um 10 Uhr beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur abgegeben werden.

Welche Unterlagen müssen mit dem Teilnahmeantrag eingereicht werden?

Eine Erklärung der Bewerber- oder Bietergemeinschaft, Angaben zur Unternehmensstruktur und Handelsregisterauszug, Nachweise über die technische und berufliche sowie die wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigkeit mit Auflistung und Beschreibung der Bedingungen, Verzeichnis der benannten Drittunternehmen und deren Verpflichtungserklärung, Nachweis zum Nichtvorliegen von Ausschlussgründen, Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes, Verschwiegenheitserklärung.

Bewerbung zum Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“
Bewerbung zum Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“

Wie wird die Bewerbung für die Teilnahme zum Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“ bewertet?

In den Teilnahmeanträgen werden Bewertungspunkte vergeben, die unterschiedlich eingeteilt sind.
Bei den Design- und Standortkonzepten richtet sich die Punktevergabe nach den Kriterien, die auf die Qualität schließen lassen. Die Zuschlagskriterien gehen in fünf Stufen von mangelhafter Qualität (0 Punkte) bis sehr guter Qualität (4 Punkte). Es kann eine maximale Gesamtpunktzahl von 400 erreicht werden.

An wen kann man sich bei weiteren Fragen wenden?

Auf der e-Vergabe-Plattform des Bundes sind alle Ausschreibungsunterlagen für die Schnellladestandorte abseits der Autobahnen einzusehen. Sollten dennoch Fragen auftauchen, können diese schriftlich bis zum 25.10.2021 gestellt werden. Hierfür muss man als Nutzer der e-Vergabe registriert sein.

Die telefonische Hotline des Bundes ist zu erreichen unter +49(0)228-99610-1234.

Bis wann ist das Gebot für das Ausschreibungsprogramm „Deutschlandnetz“ abzugeben?

Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Teilnahmeantrag für die Errichtung und Betreibung von Schnellladesäulen abseits der Autobahnen kommt Stufe zwei des Verhandlungsverfahrens. Die maximal zehn ausgewählten Bewerber pro Los werden voraussichtlich am 20.12.2021 aufgefordert, ein Angebot abzugeben.

Wo sollen die Ladestandorte abseits der Autobahnen entstehen?

Die Ladestandorte sind auf dem StandortTOOL in einer interaktiven Karte einsehbar. Es gibt 900 Suchräume, die durch Längen- und Breitengrade genau beschrieben sind. Sie sind in 23 Lose in sechs Regionen verteilt. Die Räume befinden sich abseits der Bundesautobahnen im urbanen, suburbanen und ländlichen Raum Deutschlands. Im jeweiligen Suchraum wird der genaue Standort für die Liegenschaft erst vom Bieter über das FlächenTOOL ausgewählt und angeboten.

Ladestandorte abseits der Autobahnen
Ladestandorte abseits der Autobahnen

Was ist das FlächenTOOL?

Das FlächenTOOL ist eine Plattform, die von der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur im Auftrag des Bundes bereitgestellt wird. Dort können Liegenschaften für Ladestationen gefunden, angeboten und angemeldet werden. Mit dem Tool soll der Aufbau einer Ladeinfrastruktur in Deutschland beschleunigt werden. Die 900 Suchräume des „Deutschlandnetzes“ sind auf der interaktiven Karte ebenfalls eingetragen.

Was ist das StandortTOOL?

Das StandortTOOL ist eine Plattform, die von der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur im Auftrag des Bundes bereitgestellt wird. Eine interaktive Karte schafft eine Übersicht von Ladestandorten für E-Fahrzeuge. Hiermit werden die Planungen eines deutschlandweiten Schnellladenetzes unterstützt. Eine Voraussetzung für die Nutzung von Elektromobilität ist, dass der Ladebedarf für Mittel- und Langstreckenfahrten künftig gedeckt werden kann.

Was ist ein Schnellladestandort?

Die Definitionen gehen auseinander, je nachdem, wen man fragt. Grundsätzlich sollte an dem Standort eine schnellere Ladung möglich sein, als an einem normalen. Laut der Bundesnetzagentur ist bereits ab einer Leistung von 22 kW pro Ladepunkt von einem Schnellladestandort die Rede. Die Mindestanforderungen im „Deutschlandnetz“ betragen 150 KW an allen Punkten eines Standortes.

Wie soll ein Ladestandort aussehen?

Ein Schnellladestandort soll mit 4 (S), 8 (M), 12 (L) oder 16 (XL) Ladepunkten versehen werden. Der technische Standard der HPC-Ladeeinrichtungen ist in den Ausschreibungsunterlagen genau vorgegeben. Zu den erforderlichen Ladeleistungen gehören auch verschiedene Bedienelemente wie ein Terminal für Kartenzahlung.

Kosten für eine Kilowattstunde an einer Schnellladesäule
Kosten für eine Kilowattstunde an einer Schnellladesäule

Was kostet eine Kilowattstunde an der Schnellladesäule „Deutschlandnetz“?

Die Kilowattstunde an den Schnellladesäulen soll maximal 44 Cent kosten. Das subventionierte Ladenetz wurde vom Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft hinterfragt. Die Preise seien für andere Anbieter nicht möglich. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) erklärt im „Konzept der Ausschreibung von 1.000 Schnellladestandorten auf Grundlage des Schnellladegesetzes“ auf Seite 15, dass sie nicht das Ziel verfolgen würden, eine Preisregulierung für die gesamte Schnellladeinfrastruktur herbeizuführen. „Im Gegensatz zur heute gängigen Praxis ist vorgesehen, dass jeder Ladestromanbieter den gleichen diskriminierungsfreien B2B-Preis für den Strombezug bekommt.“

Soll es auch neue Ladestandorte an den Autobahnen geben?

Ja, die Ladeinfrastruktur entlang den Autobahnen soll ebenfalls verbessert werden. Die Ausschreibung für rund 200 neue Standorte soll über die Autobahn GmbH abgewickelt werden. In der Ausschreibung handelt es sich dann um bundesweite Lose.

Wir dürfen gespannt sein, wann der erste Schnellladestandort aus dem Projekt an den Start geht. Es wäre für alle wünschenswert, wenn es spätestens 2023 klappt.

Die Informationen in diesem Artikel stammen aus folgenden Quellen:

Kategorien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert